Was Ihre Kinder lernen und Sie womöglich nie können werden – Programmieren in der Primarschule

In der täglichen Umgebung unserer Kinder ist vieles programmiert – von der Kaffeemaschine über die Strassenampel bis zur Coop-Kasse und der Anzeigetafel von Bus, Zug und Tram. Das Handy kann zudem gleichzeitig als Radio, Gamekonsole, Wecker und News-Ticker benutzt werden. Unsere zukünftige Wissensgesellschaft wird IT-basiert sein – deshalb wird Ihr Kind die Grundzüge des Programmierens womöglich bald bereits in der Grundschule erlernen.

Denn Experten empfehlen den gezielten Umgang mit Computern und neuen Medien ab der 3. Klasse in Form von Medienbildung (Umgang mit neuen Medien, Datenschutz), Anwenderkompetenzen (Textverarbeitung und Internetrecherche) und Informatikunterricht (Grundlagen, erstes Programmieren).

Erste Schulen haben Erfahrungen im Programmieren gesammelt

In den bis jetzt durchgeführten Programmiermodulen haben Schülerinnen und Schüler auf der Mittelstufe einfache Grundbefehle aus der Welt des Programmierens kennen gelernt und selbstständig erste aktive Schritte damit gemacht, wie die FHNW in einem Bericht festgestellt hat. Schülerinnen und Schüler haben beispielsweise geometrische Formen erzeugt und damit umgehen gelernt. Damit man dies überhaupt programmieren kann, muss die Materie – hier das Zeichnen von geometrischen Figuren –  zuerst verstanden werden, denn sonst wissen die Kinder beim Folgeschritt Programmieren nicht, welche Befehle sie geben müssen, damit der Computer macht, was sie sich vorgestellt haben. Das Kind erhält auf der Mittelstufe also bereits komplexe Aufgaben, die es dann in mehreren kleinen Schritten löst.

Geförderte Kompetenzen

Der Programmierunterricht nimmt Bezug auf Mathematik und Geometrie und hilft den Kindern dabei, sich auf spielerische Weise wichtige Schlüsselkompetenzen wie Abstraktionsvermögen, Problemlösungsfindung, logisches Denken, Teamarbeit, genaues Arbeiten, vorausschauendes Denken, Überlegen und Kombinieren anzueignen. Dies sind Kompetenzen, die schlussendlich nicht nur in der Mathematik wichtig sind, sondern Ihr Kind in seiner kognitiven Entwicklung unterstützten. Kann Ihr Kind dem Computer erklären, was dieser tun soll, dann hat es das Prinzip verstanden.

Stimmen der Kinder

Die Mittelstufenkinder selber meldeten, dass sie die Arbeit mit dem Computer grundsätzlich “cool” fanden. Der Spassfaktor war hoch und sie schätzten, dass sie selbstständig arbeiten konnten. Beim Programmieren von geometrischen Figuren erhielten die Kinder umgehend Rückmeldung zur Korrektheit ihrer Arbeit. Machte der Bildschirm das, was ihm gesagt wurde? Wenn ja, war der Erfolg gleich erkennbar und motivierte zur Weiterarbeit. Die Kinder schätzten aber auch die Selbstkorrektur. Zeigte der Bildschirm nicht das gewünschte Resultat, konnten die Kinder durch das schrittweise Ausführen von Programmier-Schritten ihre Fehler selber finden und gleich korrigieren.

Die Genderfrage

Das Programmieren begeisterte Jungs wie Mädchen gleichermassen. Die Jungen arbeiteten jedoch eher wettbewerbsorientiert, die Mädchen legten mehr Gewicht auf Zusammenarbeit, sich Tipps zu holen, gemeinsame Entscheidungen zu treffen und einander gegenseitig Erklärungen zu geben. Werden die Unterrichtsmaterialien genderorientiert geplant, programmieren Mädchen wie Jungs hoch motiviert.

Weder Dyskalkulie noch Dyslexie sind ein Hindernis

Wenn Sie jetzt denken, dass Schülerinnen und Schüler mit starken schulischen Defiziten einmal mehr auf der Strecke bleiben, gibt es auch hier erstaunliche Resultate. Genau diese Kinder überraschten z. T. mit Glanzleistungen, da viele von ihnen über ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen verfügen.

Programmieren als Schulfach?

Die Pädagogische Hochschule FHNW hat seit dem 1.1.2014 als erste PH der Schweiz eine Professur für informatische Bildung eingerichtet. Sind wir gespannt, was die Zukunft bringt.