Wenn Legastheniker 20 Millionen Bücher verkaufen… Mit Legasthenie auf dem Weg zum Erfolg

Jamie's Restaurant

Die Schulzeit war für ihn die Zeit des Versagens. Mit seiner Dyslexie mühte er sich endlos damit ab, Buchstaben so aneinander zu reihen, dass daraus korrekte Wörter entstanden. Um nach der Schule möglichst nichts mehr mit Schreiben zu tun zu haben, beschloss er Koch zu werden. Der junge Mann machte seinen Beruf so verblüffend gut, dass er seine Rezepte für die begeisterte Anhängerschaft bald aufschreiben musste. Schliesslich veröffentlichte er erste Kochbücher. Allerdings schrieb er diese nicht selber – er sprach seine Rezepte, Tipps und Gedanken auf ein Diktiergerät und liess für sich schreiben. Mittlerweile hat Jamie Oliver über 20 Millionen Kochbücher verkauft. Eine wunderschöne Geschichte. Da stellt sich die Frage: Ist es möglich, dass Menschen mit Dyslexie bestimmte Vorteile aus ihrer Schwäche ziehen können und damit Erfolge feiern?

So funktioniert ein Gehirn mit Dyslexie

In der Schweiz sind 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung von Dyslexie betroffen. Die Dyslexie ist nicht restlos erforscht. Bis heute weiss man, dass das Gehirn von Menschen mit Legasthenie/Dyslexie anders funktioniert – es gibt Unterschiede in der Wahrnehmung und somit auch eine andere Art der Informationsverarbeitung. Diese Unterschiede lassen aber nicht auf Vorteile gegenüber Nicht-Dyslexikern schliessen.

Viel mehr haben erfolgreiche Legastheniker gelernt, mit ihrer Schwäche umzugehen. Um ihr Defizit auszugleichen, haben Sie sich besonders auf ihre Stärken konzentriert und diese konstant verbessern können. Ein gutes Beispiel dafür erzählt Bruce Jenner (heute Caitlyn Jenner), 1976 Olympiasieger im Zehnkampf und Dyslexiker: Während seiner Zeit im College, wenn seine Mitstudenten als Prüfungsvorbereitung nochmals ein Buch lasen, wollte oder konnte er dies nicht mehr tun. Dafür ging er auf die Tartan-Bahn und lief seine Runden. Oder er nutzte die Zeit zum Ausüben anderer Sportarten. Hätte er hingegen mehr gelesen und weniger trainiert, wäre er wahrscheinlich nicht Olympiasieger geworden.

Zusätzlich eignen sich Menschen mit Dyslexie zum Ausgleich ihrer Lese- und Rechtschreibschwäche gute mündliche und rhetorischen Fähigkeiten an. Nicht zuletzt entwickeln sie oftmals eine exzellente Problemlösefähigkeit und lernen, Arbeiten, die ihnen nicht liegen, zu delegieren. Somit lässt sich viel eher darauf schliessen, dass der Umgang mit und die Folgen der Dyslexie vielen Menschen auf dem Weg zum beruflichen Erfolg den entscheidenden Kick gaben.

Beispiele berühmter Legastheniker

Leonardo da Vinci (1452 – 1529, italienischer Bildhauer, Maler, Architekt, Ingenieur und Forscher)

Leonardo da Vinci brillierte mit aussergewöhnlichen Fähigkeiten auf unzähligen Gebieten. Er war ein begnadeter Bildhauer, Maler, Erfinder, Ingenieur, Wissenschaftler und Musiker. Seine Werke geniessen bis heute Weltruhm. Da Vincis Handschrift aber zeugte von einem äusserst ungleichmässigen Schriftbild. Sein besonders Können – die Spiegelschrift – zeigte ebenfalls Auffälligkeiten, u.a. in Form von vielen Rechtschreibfehlern. Autobiografische Texte weisen zudem auf da Vincis Schwierigkeiten im Umgang mit der Sprache hin. In der Nähe von Personen konnte er zum Beispiel nicht Lesen.

Albert Einstein (1879 – 1955, deutscher Physiker, Entdecker der Relativitätstheorie)

Einsteins Autobiografie sagt, dass er während der ersten drei Lebensjahre nur wenig gesprochen hatte. Später waren seine Leistungen in Fremdsprachen mittelmässig, da es ihm schwer fiel, die richtigen Wörter abrufen zu können. Einstein meinte: „Meine grösste Schwäche ist vor allem ein schlechtes Gedächtnis für Texte und Wörter.“ Seine Denkansätze entwickelte er vor seinem inneren Auge, mit Hilfe seiner Vorstellungskraft. Seine Theorien und Entdeckungen zu verschriftlichen, war für ihn ein abstrakter Akt.

Ingvar Kamprad (1926, Gründer IKEA)

Um aus nichts einen Weltkonzern machen zu können, muss man den Geschäftssinn bereits im Blut haben. Kamprad handelte bereits als Kind mit Streichholzschachteln und während seiner Ausbildung (Wirtschaftsgymnasium, Tischlerlehre und höhere Handelsschule) tat er dies mit Kugelschreibern und Nylonstrümpfen. Mit 17 Jahren gründete er die Marke IKEA.

Weitere Unternehmer:

Steve Jobs (1955 – 2011, Mitgründer und langjähriger CEO von Apple Inc.)

Bill Gates (1955, Gründer von Microsoft)

Richard Branson (1950, Gründer der Fluggesellschaft Virgin)

Unternehmer profitieren von ihren Stärken wie der Problemlösefähigkeit oder einer ausgeprägt guten Kommunikation und können so die Massen begeistern. Sie suchen Herausforderungen, wo Kreativität und ungewöhnliche Leistungen im Vordergrund stehen. Sie kennen ihre Schwächen – mühsame, schriftliche Arbeiten, formale Leistungsnachweise und Verwaltungsarbeiten werden deshalb delegiert.

Lewis Hamilton (1985, englischer Formel 1-Rennfahrer, Weltmeister 2008, 2014, 2015)

Der Rennfahrer tat sich mit der Schule und seiner Legasthenie schwer. Er mochte hingegen Sport, Musik und Französisch. Wegen seiner Trainings und der Rennen verpasste er dazu oft den Unterricht. Erste Kart-Rennen fuhr Hamilton bereits mit acht Jahren. Seine Stärken wie die Stressresistenz, d.h. immer den Überbilck und die Nerven zu behalten, die Technik zu kontrollieren, gerne Gas zu geben und im Temporausch trotzdem die Risiken richtig einzuschätzen, unterstützten ihn auf seinem Weg zum mehrfachen Formel 1-Weltmeister. Später will sich Lewis Hamilton für Kinder einsetzen und ihnen eine gute Bildung und das Erlernen eines Instrumentes ermöglichen.

Dybuster wünscht allen Menschen mit Dyslexie beim Umsetzen ihrer kreativen Ideen viel Mut und Power und den unbeirrbaren Glauben an die persönlichen Stärken und Fähigkeiten.