Tipps, wie ein Kind mit Dyslexie erfolgreich Fremdsprachen lernt

“Hello and bonjour!” Englisch oder Französisch zu können, heisst, der Welt der Musik folgen zu können. Es heisst aber auch, Movies in der Originalsprache zu geniessen. Oder lieber den Idolen in den sozialen Medien folgen? Fremdsprachen ermöglichen uns, Menschen jeglicher Herkunft kennen zu lernen und mit ihnen plaudern zu können. Cool, nicht? Doch was, wenn Ihr Kind motiviert und mit grossem Einsatz übt, der Erfolg aber auf sich warten lässt? Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten können und geben Ihnen Tipps für den Unterricht und für zuhause.

Eine Dyslexie hat nicht automatisch einen Einfluss auf das Erlernen einer Fremdsprache. Es ist gut möglich, dass das Kind trotz dieser Lernschwäche die neue Sprache flüssig, intuitiv und sicher lernt.

Stellen Sie aber fest, dass Ihr Kind:

  • nicht abspeichern kann,
  • mit der Aussprache knobelt,
  • ähnliche Wörter verwechselt,
  • hauptsächlich so schreibt, wie es tönt,
  • ähnliche Laute und Schreibweisen nicht unterscheiden kann,
  • übermässig lange an den Hausaufgaben sitzt und trotz intensiven Übens seine Ziele nicht erreicht,

dann ist es dankbar, wenn Sie aufmerksam hinsehen. Steht Ihr Kind beim Erlernen der Fremdsprache erneut vor Herausforderungen, geben Sie dem Kind wieder sicheren Boden unter die Füsse. Nun gilt es Misserfolge zu vermeiden, damit die Motivation und Leistung erhalten bleiben und die Freude an der Fremdsprache gepflegt wird und wachsen kann.

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10 Tipps für den Unterricht

  1. Der Fokus beim Fremdsprachenlernen liegt in der Regel auf der Kommunikation und dem spielerischen Lernen. Kinder mit LRS brauchen parallel dazu ein Fundament an Regelwissen. Wichtige Lerninhalte deshalb mit Vorteil auf den Lektionsbeginn legen, dann sind viele Kinder am aufnahmefähigsten.
  2. Beim Visualisieren mit grossen Schriften, grossen Lücken und A3-Blättern arbeiten. Kann das Kind eine Textstelle nicht finden, heisst dies nicht unbedingt, dass es nicht aufmerksam war. Wörter mit gleicher Schreibweise oder Aussprache als Denkhilfe gruppieren und im Schulzimmer aufhängen.
  3. Wörter klar strukturiert, in kleinen Schritten (z. B. täglich max. 10 Wörter lernen) mit motivierenden Übungen trainieren lassen. Über verschiedene Sinneskanäle (Hören, Sehen, Sprechen, Schreiben) aufgenommene Wörter können besser vernetzt und abgespeichert werden.
  4. Wörter mit Karteikarten lernen lassen und diese nach verschiedenen Themen sortieren (unregelmässige Verben, gleiche Schreibweise, gleiche Aussprache, etc.)
  5. Wörter lernen, bedeutet ein gewaltiger Kraftakt. Wenn die Begriffe beim schriftlichen Abfragen als gewusst erkennbar sind, dann auf mündlicher Ebene als gelernt bewerten.
  6. Das Kind mit den gelernten Wörtern freie Sätze sprechen lassen. Für eine korrekte und flüssige Aussprache hilft es dem Kind, die Wörter wiederholt
    • hören zu können
    • zu segmentieren
    • korrekt zu artikulieren.
  7. Bei Übersetzungsarbeiten zuerst wörtlich arbeiten, erst dann die korrekte Satzstellung fordern.
  8. Hausaufgaben: Am besten nur einen Schwerpunkt als Aufgabe nachhause geben und den Umfang reduzieren / anpassen.
  9. Setzen Sie im Unterricht Dybuster Orthograph (Online-Version) mit dem Lehrgang Englisch und Französisch ein. So können die Kinder ihr individuell angepasstes Wörtertraining spielerisch auf dem Computer durchführen und zuhause gleich daran weiterarbeiten.
  10. Ein erfolgreiches Erlernen einer Fremdsprache hängt auch damit zusammen, dass das Kind in seiner Muttersprache sicher ist. Deshalb ist es empfehlenswert, die Lernvoraussetzungen eines Kindes genau abzuklären, angemessene Lernziele zu setzen und eine erfolgreiche Unterrichtsmethode zu entwickeln. Dies fordert einen nahen Austausch zwischen der Deutsch- und Fremdsprachenlehrperson sowie der Heilpädagogin. Falls nötig kann in diesem Setting auch ein individuell angepasster Nachteilsausgleich ausgearbeitet werden.

10 Tipps für zuhause

  1. Grundsätzlich ist es am einfachsten, wenn das Kind und Sie als Eltern den Fakt, dass dem Kind das Fremdsprachenlernen nicht so einfach fällt wie z. B. Mathematik, akzeptieren und annehmen. Sprechen Sie Ihrem Kind regelmässig Mut zu und bauen Sie es auf.
  2. Das Üben ist ein überwindbarer Berg. Setzen Sie feste Zeiten (schon 15 Minuten reichen) und lassen Sie diese zur Routine werden.
  3. Schaffen Sie für das Kind und sich eine angenehme, stressfreie Übungssituation und wählen Sie einen Ort, wo es sich konzentrieren kann.
  4. Unterstützen Sie Ihr Kind während dieser Hausaufgabensequenz, sofern dies nötig ist. Diese Aufgabe kann auch gut jemand externes (eine Person aus der Nachbarschaft, Eltern von Schulfreunden, eine Aufgabenhilfe, ein Student,…) übernehmen.
  5. Setzen Sie einen Aufgabenschwerpunkt und bleiben Sie, wenn nötig, über mehrere Male daran.
  6. Üben Sie maximal 10 Wörter pro Übungseinheit. Wiederholen Sie die gleichen Wörter über einen längeren Zeitraum.
  7. Arbeiten Sie beim Erlernen von Wörtern, Regeln, Verben, etc. mit Karteikarten. Sortieren Sie diese immer wieder nach verschiedenen Kriterien (unregelmässige Verben, gleiche Schreibweise, gleiche Aussprache, etc.)
  8. Reduzieren Sie den Umfang der Hausaufgaben so, dass er zu bewältigen ist und Ihr Kind Erfolgserlebnisse verbuchen kann. Halten Sie dabei, wenn immer nötig, Rücksprache mit der Schule.
  9. Setzen Sie das Hauptgewicht nicht auf stures Üben und Auswendiglernen. Helfen Sie dem Kind dabei, sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Unterstützen Sie Ihr Kind beim Finden seiner persönlichen Lernstrategie. Selbstkontrollen oder ein Mappe, wo Gelerntes festgehalten und abgelegt wird, helfen dem Kind seinen Lernerfolg wahrzunehmen und einen geeignete Lernweg zu finden.
  10. Mit Dybuster Orthograph kann Ihr Kind am Computer selbstständig seinen persönlichen Fremdwortschatz trainieren. Studien haben erwiesen, dass Lernende nach nur drei Monaten Training 30% bessere Resultate erzielen.

3 Tipps für das Vorschulalter

Da das Kind beim Erlernen der Fremdsprache auf seine Muttersprache zurückgreift, ist es wichtig, dass es sich in seiner Muttersprache sicher bewegt. Dies können Sie im Vorschulalter ganz einfach fördern:

  1. Singen Sie gemeinsam Lieder in der Muttersprache und sprechen Sie Abzählverse und Reime.
  2. Spielen Sie Merk- und Wortschatzspiele (z. B. “In meinen Rucksack packe ich…).
  3. Machen Sie lustige Wortspiele: Wörter nach Anfangslauten gruppieren, in Silben zerstückeln, etc.

 

“Jede neue Sprache ist wie ein offenes Fenster, das einen neuen Ausblick auf die Welt eröffnet und die Lebensauffassung weitet.”

Mit Frank Harris wünschen wir Ihnen viel Freude und spannende neue Horizonte beim Erlernen von Fremdsprachen.