Schon immer Probleme mit Zahlen? Das sollten Erwachsene mit Dyskalkulie wissen.

Das Wichtigste zuerst: auch Erwachsene, die schon ihr ganzes Leben an einer Rechenschwäche leiden, können durch gezielte Förderung merkliche Fortschritte erzielen.

Was ist Dyskalkulie?

Rechenschwäche, auch Dyskalkulie genannt, äussert sich durch ein fehlendes Verständnis für grundlegende mathematische Zusammenhänge. Selbst vermeintlich „einfache“ Aufgaben werden nicht richtig verstanden oder deren Lösung benötigt eine grosse Anstrengung, da die Bearbeitung nicht automatisiert ist. Dies liegt nicht an mangelnder Intelligenz: in anderen Gebieten erbringen die Betroffenen die gleichen Leistungen wie Personen ohne Rechenschwäche. Die Ursache wird viel mehr in einer verzögerten Entwicklung jener Hirnareale vermutet, welche diese Aufgaben ansonsten automatisieren.
Das Gehirn bleibt jedoch das ganze Leben lang anpassungs- und lernfähig. Deswegen bestehen auch im Erwachsenenalter hohe Erfolgsaussichten, die Dyskalkulie besser meistern zu können, wenn man sich professionelle Hilfe holt. Allerdings fällt den meisten Leuten ganz allgemein das Lernen im Alter schwerer und auch eine Förderung bei Dyskalkulie im Erwachsenenalter erfordert häufig mehr Anstrengungen als bei Kindern oder Jugendlichen.

Auswirkungen im Alltag

Hat man in der Kindheit nicht die richtige Förderung erhalten, begleitet einen die Rechenschwäche bis ins Erwachsenenalter. Bis dahin haben die Betroffenen meist gelernt, ihre Schwäche Mitmenschen gegenüber zu verstecken. Sie verstehen es auch, den Umgang mit Mathematik zu vermeiden oder an andere zu delegieren. So behaupten sie sich erfolgreich im Alltag. Aber in vielen Betätigungsfeldern und Berufen werden die Betroffenen trotzdem immer wieder vor unüberwindbare Schwierigkeiten gestellt. Sei es beim Umgang mit Geld, beim Ablegen der nächsten Semesterprüfung oder beim Herangehen an eine berufliche Aufgabe, die sich als unlösbar herausstellt. Oft gehen diese stressvollen Situationen mit psychischen Belastungen wie Angst, Scham, Selbstzweifeln und Hilflosigkeit einher. Spätestens beim Auftreten solcher Symptome sollten sich Erwachsene mit Dyskalkulie an professionelle Therapeuten wenden.

Abklärung und Therapie

Nur durch professionelle Abklärung kann eine Dyskalkulie diagnostiziert werden. Dazu werden Rechentests durchgeführt, welche neben arithmetischen Fähigkeiten wie Addition und Subtraktion auch das Zahlenverständnis und die Zahlenraumvorstellung untersuchen. Zudem versuchen die Profis zu verstehen, welche Denkprozesse der Erwachsene vollzieht, um bestimmte Aufgaben zu lösen, um eine massgeschneiderte Therapie zu erstellen. In der auf die Diagnostik folgende Therapie erlernen Erwachsene die Mathematik von Grund auf neu verstehen. Dadurch wird auch die Angst vor Zahlen und Rechnen nach und nach abgebaut. Die Dauer der Therapie richtet sich nach den jeweiligen Testergebnissen und Zielen.