Nehmen Sie Anzeichen einer Rechenschwäche wahr.

Als Eltern beobachten Sie das Verhalten Ihres Kindes sehr genau und versuchen, dieses immer wieder richtig zu deuten. Geht es meinem Kind gut? Ist es glücklich? Hat es gute Freunde? Fühlt es sich in seinem Umfeld wohl? Gibt es Probleme in der Schule? Kann ich mein Kind unterstützen? Diese und unzählige weitere Fragen gehen Ihnen immer wieder durch den Kopf.

Wenn Sie beobachten, dass sich Ihr Kind seit längerer Zeit ungut fühlt, sich zurückzieht, Angst vor der Schule hat und sich Frustration zeigt, sollten Sie genauer hinschauen. Es könnte sich herauskristallisieren, dass sich dahinter ein begründetes Problem verbirgt. Sie sollten hellhörig werden, wenn folgende Verhaltensweisen und Probleme bei den Mathematik Hausaufgaben regelmässig auftauchen:

Ihr Kind…

  • … braucht unverhältnismässig viel Zeit
  • … ermüdet schnell
  • … muss sich auch bei einfachen Aufgaben sehr konzentrieren
  • … braucht viel Unterstützung
  • … will, dass die Eltern beim Lösen der Aufgaben dabei sind
  • … erkundigt sich nach jeder Rechnung, ob diese stimmt
  • … vergisst oft, was als Hausaufgabe zu machen ist
  • … kann nicht erklären wie es gerechnet hat
  • … hat das Gefühl auch nach noch so viel Üben nicht besser zu werden
  • … reagiert sensibel beim Üben, oft gibt es Streit oder Tränen

Die Ursache dieser Verhaltensweisen könnte eine Rechenschwäche, auch Dyskalkulie genannt, sein. Wenn Sie herausfinden möchten, ob sich Ihr Kind begründet schwer tut mit der Mathematik und Handlungsbedarf Ihrerseits besteht, versuchen Sie Ihr Kind bei den Mathematikaufgaben genau zu beobachten. Wenn folgende Probleme auftauchen, könnte es sein, dass Ihr Kind tatsächlich unter Dyskalkulie leidet:

Ihr Kind im Primarschulalter…

  • … kann schlecht räumliche Beziehungen erfassen. Es verwechselt rechts/links, vorn/hinten, oben/unten
  • … kann eine Menge im Verhältnis zu einer anderen schlecht einschätzen , z.B.: kleiner grösser als, mehr oder weniger
  • … kann sich hinter einer Zahl schlecht eine Menge oder Grösse vorstellen. Es merkt sich lediglich die Namen und die Reihenfolge der Zahlen
  • … verwechselt Ziffern oder schreibt diese seitenverkehrt
  • … hat ungenaue Vorstellung von Wochen, Monaten und Jahren
  • … hat ein schlechtes Zeitgefühl z.B.: in 10 Minuten
  • … verdreht oft die Ziffern beim Verschriften einer gesprochenen Zahl  z.B.: dreiundsiebzig= 37
  • … kann nicht gut eine Zahlenreihe rückwärts aufsagen z.B.: 20 bis 1
  • … rechnet fast immer mit den Fingern
  • … verwechselt Stellenwerte z.B. 12/21 , 13/31
  • … rechnet bei aufeinander folgenden Aufgaben wie Z.B.: 6+2 und dann 6+3 immer wieder neu von Anfang an
  • … hat Mühe bei Zehnerübergängen
  • … verrechnet sich oft nur um eins z.B.: 7+5=13 / 12-8=5
  • … kann ähnliche Aufgaben nicht schnell erkennen z.B.: 6+2= und 16+2=und 60+20=
  • … rechnet im Kopf so lange und umständlich, dass es schlussendlich nicht mehr weiss, wie die Aufgabe gelautet hat
  • … hat grosse Mühe bei Platzhalteraufgaben z.B.:  ? – 7=15
  • … möchte auch bei einfachen Rechnungen schriftlich rechnen
  • … verwechselt häufig „plus“, „minus“, „mal“ und „geteilt durch“
  • … sieht den Unterschied von 7-4 = und 4-7= nicht
  • … sieht augenfällige Fehler nicht
  • … hat Probleme mit Uhrzeiten, Gewichtangaben oder anderen Massangaben
  • … vertauscht Stellen, um einfacher rechnen zu können z.B.: 63-25= 42
  • … blockiert, wenn es Textaufgaben lösen muss
  • … sieht den Unterschied bei Geld schlecht z.B. 50 Rappen oder 5 Franken
  • … hat grundsätzlich Mühe im Umgang mit Geld, z. B. Wechselgeld geben

Ihr Kind in der Oberstufe…

  • … braucht viel Zeit, da bei Addition und Subtraktion immer noch gezählt wird
  • … vergisst Erklärungen sehr schnell wieder
  • … kann Textaufgaben viel schlechter lösen als andere Rechnungen
  • … entscheidet sich bei Textaufgaben meistens willkürlich für eine Operation
  • … hat Mühe mit Platzhalteraufgaben  z.B.: ? – 8=13 oder diese werden falsch gelöst z.B.: 5
  • … löst auch einfache Additionen und Subtraktionen im 100er Raum schriftlich
  • … zählt beim 1×1 die Reihen immer wieder ganz von Anfang
  • … sieht nicht, dass Rechnungen komplett nicht stimmen können
  • … hat grosse Mühe bei Zehnerübergängen
  • … macht viele Fehler bei Subtraktionen
  • … kann mit Grössen schlecht umgehen (Gewicht, Länge, Zeit)
  • … kann schlecht mit Geld rechnen
  • … wendet Erklärungen mechanisch an, vergisst sie aber bald wieder
  • … vertauscht Stellen, damit kein Zehnerübergang notwendig ist z.B.: 234-36=202
  • … lernt bei Einmaleinsaufgaben nur mechanisch auswendig. Es versteht die Logik nicht. (Es weiss das 5×5=25 gibt, bei 6×5 rechnet es die 5er Reihe aber erneut von Anfang an.)
  • … empfindet die Rechnungen 6:3=  und 3:6= als gleich
  • … kann den Zusammenhang von Plus, Minus oder Mal rechnen nicht gut erklären
  • … kann sehr schlecht schätzen, wie viel das Resultat in etwa gibt
  • … grosse Mühe bei schriftlicher Division
  • … versteht die Regeln bei Bruchrechnen nicht oder vertauscht sie immer wieder
  • … kenn die Bedeutung des Kommas bei Dezimalbrüchen nicht und rechnet deshalb z.B.: 1,6 + 1,6 = 2, 12
  • … verzweifelt im Umgang mit Gleichungen

 

Wenn zahlreiche dieser Probleme regelmässig auftreten, sollten Sie sich an die Lehrperson Ihres Kindes wenden. Sie wird Ihnen mögliche Fördermassnahmen aufzeigen und gegebenenfalls eine schulpsychologische Abklärung einleiten können. Sie als Eltern dürfen somit versichert sein, dass Sie Ihre Pflicht sorgfältig und fürsorglich wahrgenommen haben. Zusammen mit Ihrem Kind werden Sie Möglichkeiten finden, um diesen Schwierigkeiten die Stirn zu bieten.