Nach den Sommerferien in die Berufsbildung – mit Dyslexie / Dyskalkulie

Berufsbildung

Das Schweizerische Berufsbildungssystem mit der Variante Berufslehre ist für Menschen mit Dyslexie oder Dyskalkulie ein optimaler Weg. Der hohe Praxisanteil ermöglicht den jungen Menschen, ihre Stärken zu zeigen und lässt die Dyslexie / Dyskalkulie in den Hintergrund treten. Der Weg zur Lehrstelle ist nicht immer einfach, da verbreitete Multichecks etc. zu wenig Rücksicht auf Schüler mit Dyslexie / Dyskalkulie nehmen. Deshalb ist die Zeit während der Schnupperlehre besonders wichtig – hier kann der zukünftige Lernende den Lehrmeister persönlich von seinen Begabungen überzeugen. Wer sich für ein Studium interessiert, kann dies auch mit Dyskalkulie / Dyslexie gut meistern.

Sehen wir doch genauer hin. Wie gehen Menschen mit Dyslexie / Dyskalkulie am erfolgreichsten durch die Berufsbildung? Wie wird der Einstieg ins Studium am besten in Angriff genommen? Die Berufsbildung Schweiz schlägt Folgendes vor:

Berufslehre mit Dyslexie / Dyskalkulie

Einstieg in den zukünftigen Traumberuf

Ein Blick ins Gesetz zeigt, dass alle Menschen gleiche Rechte haben. Es darf niemand diskriminiert werden, sei es beispielsweise aufgrund der sozialen Stellung, der Herkunft, Religion oder aufgrund einer Behinderung. Juristisch gesehen gilt Dyslexie / Dyskalkulie als Behinderung. Deshalb haben Menschen mit Dyslexie / Dyskalkulie Anrecht auf einen Nachteilsausgleich. Die Berufsbildung in der Schweiz arbeitet diesbezüglich fortschrittlich und bietet betroffenen Personen einen Nachteilsausgleich an, der es ermöglicht, zwar gleiche Prüfungen, diese jedoch in angepasster Form oder mit mehr Zeit durchführen zu dürfen. Besonders wichtig ist, während des ersten Ausbildungsjahres die Eckpfosten so zu setzen, dass die Lehre angepasst durchgeführt werden kann. Dafür müssen die betroffenen Personen gleich im 1. Lehrjahr folgende Punkte beachten:

  • Die Dyslexie / Dyskalkulie muss bereits während der obligatorischen Schulzeit von einer anerkannter Fachstelle attestiert werden. Es ist für alle Beteiligten von Vorteil, wenn Informationen möglichst umfassend und schriftlich dokumentiert von der Schule in die Berufsschule weitergereicht werden.
  • Grundvoraussetzung ist ein enger und offener Austausch zwischen dem Lehrbetrieb, der Berufsschule, dem Lernenden und dessen Eltern.
  • Gemeinsam mit der Klassenlehrperson, den Eltern und dem Lehrmeister werden mögliche Fördermassnahmen festgelegt. Dies passiert in Form von Stützkursen und weiteren Angeboten. Das kantonale Berufsbildungsamt informiert Lernende dazu individuell. In diesen Zusatzkursen geht es darum, die persönlichen Stärken zu nutzen, Strategien für Schwächen zu entwickeln sowie Ziele für die Zukunft und das spätere Berufsleben zu setzen. Erfahrungsberichte zeigen, dass es bei jungen Menschen dabei plötzlich “Klick” machte, eine Dyslexie überwunden werden konnte, Atemübungen die Konzentration förderte oder Strategien gegen Prüfungsangst entwickelt wurden.

Und nun steht die Abschlussprüfung bevor…

Wenn überhaupt nötig, kann eine Person in Ausbildung spätestens bei der Anmeldung zur Lehrabschlussprüfung ein Gesuch um Prüfungserleichterung einreichen. Dies ist gesetzlich so festgelegt. Das Gesuch füllen der Lehrmeister, der Lernende und die Klassenlehrperson gemeinsam aus. Eine schriftliche Dokumentation, die die festgestellte Lernschwäche beinhaltet, benötigt es auch hier. Hinzugefügt werden die durchgeführten Fördermethoden und die Feststellung, dass diese zu wenig erfolgreich waren, um die Abschlussprüfung in regulärer Form bestehen zu können. Dies beinhaltet:

  • Schwierigkeiten, schriftliche Aufgaben verstehen zu können, obwohl das Knowhow dafür vorhanden ist.
  • Mühe mit der offiziellen Prüfungsform und der vorgegebenen Zeit.

Das Ziel einer Prüfungserleichterung ist es, für die Prüfung mehr Zeit zu erhalten, sie am Computer zu lösen, von Rechtschreibhilfen Anspruch zu nehmen oder Aufgaben vorgelesen zu erhalten. Good to know: Prüfungserleichterung werden später im Notenausweis nicht erwähnt.

Studium mit Dyslexie / Dyskalkulie

Studieren mit Dyslexie oder Dyskalkulie? Aber sicher! Viele – auch hochbegabte Menschen – haben gelernt mit dieser Schwierigkeit umzugehen, sind ihren Weg gegangen und haben das gewünschte Ziel erreicht. Einem Studium steht also nichts im Weg. Bis jetzt gibt es für Mittel- und Hochschulen keine einheitlichen Regelungen. Vielmehr legen Institutionen ihre eigenen Handlungsabläufe für Menschen mit Dyslexie / Dyskalkulie fest. Die Kantonsschule Oerlikon beispielsweise hat eine Regelung für Lehrpersonen ausgearbeitet, die z. B. auf eine klare Unterrichtsstruktur, gute Visualisierung, multisensorischen Unterricht, einfache schriftliche Formulierungen und eine grosse und gut leserliche Schrift setzt. Bei Prüfungen erlaubt sie Verständnisfragen, elektronische Hilfsmittel, das Lösen der Aufgaben am Computer oder dass Antworten nach Inhalt und nicht nach Rechtschreibung bewerten werden.

Ob Berufslehre oder Studium: Dybuster wünscht allen Berufseinsteigenden und an der Uni immatrikulierten jungen Menschen einen guten Start. Viel Erfolg beim Erreichen der beruflichen Ziele!