Digitalisierung – Neue Chancen für Dyslexiker

Digitale Medien

Die Zahlen des Schweizer Dachverbandes Lesen und Schreiben zeigen, dass in der Schweiz an die 800 000 erwachsene Menschen Mühe mit Lesen und Schreiben haben. Eine Dyslexie ist für viele Menschen zwar eine Beeinträchtigung, jedoch kein Hindernis hohe Anforderungen an sich selbst zu stellen. Das beste Beispiel der jüngsten Zeit ist der schweizer Wissenschaftler Jaques Dubochet, der es trotz seiner Dyslexie geschafft hat, als Chemiker äusserst erfolgreich Geschichte zu schreiben und in diesem Jahr mit dem Nobelpreis der Chemie beehrt wurde.

Wichtig ist, dass die Lese- und Schreibschwäche früh erkannt wird. Die Devise für eine erfolgreiche Zukunft trotz Dyslexie heisst: So früh als möglich an den Schwächen arbeiten und hilfreiche Strategien zum Umgang damit entwickeln. Ist die fortschreitende Digitalisierung eine solche erfolgversprechende Strategie?

Ist die Digitalisierung für Dyslexiker von Vorteil?

Die heutige Informationsgesellschaft ist in praktisch allen Bereichen des Lebens digital vernetzt. Dies in der Schule, der Aus- oder Weiterbildung, im Beruf aber auch im Privatleben und in der Freizeit. Der Computer, das Tablet, das Smartphone und zunehmend die Uhr lassen uns via Internetverbindung jederzeit und überall am digitalen Leben teilhaben. Wie können Personen mit einer Lese- und Schreibschwäche einen Vorteil daraus ziehen?

  • Auf Youtube werden mittlerweile eine Vielzahl an Filmsequenzen zu verschiedensten Kompetenzen angeboten, die als Ergänzung zu schriftlichem Lernmaterial benutzt werden können. Sie erklären Lerninhalte zusätzlich in Bild und Ton.
  • Ansprechende Online-Trainingsprogramme motivieren, sich zu überwinden und an der Dyslexie zu arbeiten (z.B. Dybuster.com).
  • Elektronische Schulbücher mit Vorlesefunktion, Bildmaterial und Videos sowie weiteren Funktionen erleichtern das Erarbeiten der geforderten Kompetenzen.
  • Webseiten oder Texte können mittels Bildschirmvorleseprogramm (z.B. Screenreader oder Vorlese-Funktion) abgespielt und somit ohne Leseaufwand verstanden werden.
  • E-Books bieten die Funktion, die Schriftgrösse und -art zu variieren sowie Kontraste anzupassen. So gelingt Lesen einfacher und mit deutlich mehr Vergnügen (siehe Blog „10% der Bevölkerung liest mit Vorteil nicht mehr auf Papier – Lesestrategien bei Dyslexie“).
  • Diktierprogramme ermöglichen es, Texte mündlich auf ein Gerät zu sprechen und anschliessend durch den Computer verschriftlichen zu lassen.
  • Korrekturprogramme, am besten ganze Sätze vorlesend, unterbreiten Korrekturvorschläge und erleichtern das Schreiben zusätzlich.
  • Eine weitere grosse Chance der Digitalisierung ist das kollaborative Schreiben. Optimalerweise vernetzen sich mehrere Personen online, um gemeinsam an Texten zu arbeiten. So können schriftliche Arbeiten von Dyslexikern in der Gruppe korrigiert und überarbeitet werden. Selbst das kurze Überprüfen von Mailtexten – beispielsweise durch Mitarbeiter oder Freunde – gibt Dyslexikern eine wichtige Rückmeldung und Sicherheit.
  • Der Umgang mit der schriftlichen Sprache auf sozialen Medien ist in den letzten Jahren sehr viel toleranter geworden. Man schreibt, wie man spricht und Wortkreationen abseits der Dudenvariante sind auf breiter Ebene akzeptiert.

Grenzen der Digitalisierung

Die Digitalisierung birgt viele Chancen bei der Entwicklung von Strategien im Umgang mit einer Dyslexie, gekoppelt mit den eigenen Zukunfts- und Karriereplänen. Um von diesen Vorteilen jedoch überhaupt in der ganzen Bandbreite profitieren zu können, ist ein kompetenter Umgang mit digitalen Medien ein Muss. Ausserdem ersetzt die Digitalisierung weder die Aufarbeitung der Lese- und Schreibschwäche, noch das anschliessend nötige Training zur Aufrechterhaltung und Erweiterung der geleisteten Erfolge. Eine genügende Grundkompetenz in Lesen und Schreiben ist trotz Digitalisierungszeitalter unvermindert wichtig, um die persönlich gesetzten Ziele zu erreichen.

Aber auch Firmen und Webseiten-Ersteller sind gefordert, auf ihren Onlineseiten allfällige Hürden für Menschen mit Dyslexie abzubauen. Komplizierte Passwortanforderungen, komplexe Inhalte, schlechte Kontraste oder schnell wechselnde Bilder und Grafiken erschweren das Surfen für Menschen mit Lese- und Schreibschwäche unnötig. Solche Barrieren können mit den Tipps von „Einfachsurfen.ch“ relativ unkompliziert abgebaut werden.

Fazit: Menschen mit Dyslexie dürfen der Digitalisierung durchaus positiv entgegensehen. Sichere und ausführliche Kenntnisse im Umgang mit der digitalen Welt unterstützen und lassen von einem Maximum an Möglichkeiten und Hilfestellungen in der Onlinewelt profitieren. Die Digitalisierung ersetzt jedoch nicht die Aufarbeitung der Lese- und Rechtschreibschwäche. Je solider diese Überwunden werden kann, desto motivierender wird der Blick in die eigene Zukunft.

Dybuster unterstützt Sie dabei gerne und wünscht Ihnen einen gestärkten und positiven Blick nach vorne!