Zwei Generationen von Erwachsenen mit Dyslexie erzählen: Sie schildern Schulzeit, Ausbildung und Berufsalltag – früher und heute

Tafel

Teil 1: Schule damals

A., Jahrgang 1951, aufgewachsen in Zürich und Arbon
Beruf: Chemielaborant, später Primarlehrer

Welche Erfahrungen hast du in der Schulzeit mit deiner Dyslexie gemacht? Wie verlief der Schulalltag damit?

Die Unterstufe besuchte ich im Schulhaus Milchbuck in Zürich. Mein grosses Glück war, dass ich wahnsinnig gerne zur Schule ging. Ich mochte meine Lehrerin sehr, obwohl ich kein wirklich guter Schüler war. Damals gab es noch Trimester-Zeugnisse. In Rechtschreibung hatte ich regelmässig eine 1 oder eine 2*. Gelesen habe ich viel und gerne. In Sprache war mein Zeugnis genügend. Somit erhielt ich drei Mal pro Jahr den Stempel, dass ich nicht schreiben konnte. Oftmals wurde dies vom Kommentar begleitet: „Du liest gar nicht richtig, sonst wüsstest du, wie man dies und jenes schreibt.“ Mein Vater hatte natürlich keine Freude, wenn ich eine schlechte Note nach Hause brachte, war aber irgendwie ratlos.

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