10% der Bevölkerung liest mit Vorteil nicht mehr auf Papier – Lesestrategien bei Dyslexie

Fragen Sie ein Kind mit Dyslexie, ob es gerne und viel liest, wird es wohl verneinen.

Kein Wunder. Lesen ist in diesem Falle meist ein Kampf, denn es funktioniert oftmals nur langsam und ungenau und das Kind verliert zudem oft die Zeile. Wie soll es sich denn da noch auf den Inhalt des Gelesenen konzentrieren können? Schule und Beruf bauen aber auf dem Lesen auf. Hier finden Sie mögliche Strategien, die zum besseren Gelingen verhelfen können.

Vorteile von Hörbüchern

  • Geschichten hören zu können, ist für das Kind ein positives Erlebnis, welches vielleicht gar zum selber Lesen animiert.
  • Man sagt: Lesen erweitert den Wortschatz. Seinen Wortschatz kann das Kind aber genau so gut übers Ohr erweitern.
  • Die Lesefertigkeit kann deutlich verbessert werden, wenn das Kind den gehörten Text gleichzeitig im Buch mitliest.
  • Das Kind kann so arbeiten, wie es ihm am meisten dient: Gelesene Texte können nachgehört werden oder abwechslungsweise gelesen und gehört werden.

E-Books unterstützen positiv

  • Die Zeilenlänge von E-Books kann nach individuellem Bedürfnis eingestellt werden, denn kürzere Zeilen können von Dyslexikern schneller und einfacher gelesen werden.
  • Die Schrift kann vergrössert werden – wenig angezeigter Text lässt den Blick weniger wandern und das Kind kann dem Zeilenverlauf besser folgen.
  • Gewisse E-Books lassen sich mit einer synthetischen, manchmal gar tempovariablen Stimme vorlesen.
  • Die Schriftart ist anpassbar. Für Menschen mit Dyslexie sind Texte in Schriften ohne Serifen (z. B. Calibri, Arial, Open Dyslexic) am besten lesbar.
  • Die Farbkontraste sind bei vielen Geräten einstellbar. Der Kontrast schwarz/weiss ist für Kinder mit Leseschwäche in der Regel zu stark.

Etliche Studien haben gezeigt, dass sich die Lesegeschwindigkeit und das Leseverständnis von Menschen mit Dyslexie dank den Vorteilen von E-Books deutlich verbesserten.

Bei E-Books und Hörbüchern zu beachten

  • Bildschirme können flackern, auch wenn dies für das Auge nicht direkt wahrnehmbar ist. Dies stört aber die Augenbewegung. Deshalb empfiehlt es sich beim Kauf eines Computer-Bildschirms diesen Punkt im Fachgeschäft vorgängig abzuklären.  
  • Längst nicht alle Bücher, die in der Schule gelesen und bearbeitet werden, sind als Hör- oder E-Books erhältlich.
  • Leider ist Lesen in Schule und Beruf eine fächerübergreifend geforderte Fähigkeit. Aufgaben an Prüfungen zum Beispiel müssen meistens immer noch nur auf Papier gelesen werden.

Die Bereiche, die mit E-Books und Hörbüchern nicht abgedeckt werden können, kann man mit z. T. einfachen Hilfestellungen optimieren. Ein Gespräch mit der Lehrperson ist, wenn noch nicht getan, sicher hilfreich. Eine erste Verbesserungsoption ist möglicherweise, dass die Lehrperson dem Kind bei Prüfungen gewisse Aufgabenstellungen laut vorliest.

Unser Fazit

Ihr Kind darf, wenn es ums Lesen geht, also durchaus dem modernen Trend folgen und auf einem geeigneten E-Gerät seine Bücher verschlingen. Werden dabei seine Lesemotivation und Lesefertigkeiten allgemein gefördert, umso besser.